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„Menschen, die den Mut nicht aufgeben und dranbleiben, für sie setze ich mich ein und haue auch mal auf den Tisch, wenn es sein muss.““

Patrizia Di Tolla

Regionalleiterin Psychosoziale Dienste, 

Unionhilfswerk Sozialeinrichtungen gemeinnützige GmbH

Über Patrizia Di Tolla könnte man ein Buch schreiben. Ihr Engagement ist seit vielen Jahren konstant, vielfältig und voller wertvoller Impulse für das soziale Leben in Berlin. Ihre Arbeit für die Gemeinschaft und für einen menschlichen Umgang mit allen Menschen begann bereits in der 1970er Jahren und dauert bis heute an. „Ich bin noch heute mit dem Herzen dabei“, sagt sie. Ihre Haupttätigkeit derzeit ist die Arbeit beim Unionhilfswerk, sie ist dort Regionalleiterin im Bereich Psychosoziale Dienste. Und auch, wenn sie im kommenden Jahr in den Ruhestand geht, will sie ihr ehrenamtliches Engagement nicht beenden.

 

Begonnen hat alles in Italien, wo Patrizia Di Tolla aufgewachsen ist. „Ich wurde katholisch erzogen, habe schon früh in der Kirchengruppe gearbeitet und Menschen geholfen. Das hat mir Spaß gemacht. In meiner Familie gehört es dazu, anderen zu helfen“, sagt sie. Als sie ihre Ausbildung beginnen wollte, wurde Psychologie gerade universitär – also schreib sie sich ein. Im zweiten Semester machte sie ein Praktikum in Triest bei Professor Franco Basaglia, dem Initiator der demokratischen Psychiatrie. „Er hat die Kliniken als erster in Europa geöffnet, Menschen befreit. Das war eine ganz besondere Erfahrung, das hat mich begeistert“, sagt Patrizia Di Tolla. Die Erfahrung prägt sie bis heute und ist der Grund, warum sie sich seit den 1970er Jahren an vielen Stellen gegen Zwangseinweisungen und das Ruhigstellen von Patienten mit Psychopharmaka einsetzt.

 

Auf allen Stationen in ihrem Leben hat Patrizia Di Tolla sich für Menschenrechte eingesetzt, insbesondere für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Ihre erste Arbeitsstelle war in Kreuzberg, sie war die erste Mitarbeiterin des Prowo e.V., der therapeutisches Wohnen für psychisch beeinträchtigte Menschen anbietet. Auch als vor fast 40 Jahren das Frauenkrisentelefon gegründet wurde, war sie dabei. Sie setzte sich 22 Jahre lang beim Paritätischen Berlin für Betroffene ein, geht bis heute im Rahmen eines Antistigma-Projektes „Wahnsinnignormal-das Berliner Schulprojekt“ mit Betroffenen in Schulklassen. Sie überprüft mit der Besuchskommission psychiatrischen Kliniken und Abteilungen auf die Einhaltung des „Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischer Krankheit“, ist auch im erweiterten Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP).

 

Ihre schönsten Momente hatte Patrizia Di Tolla im Rahmen des Schulprojektes, bei dem Betroffene ihre Geschichte erzählen: „Ich bin so beeindruckt wie Leute, die psychische Probleme haben oder hatten, ihr Leben meistern. Menschen, die den Mut nicht aufgeben und dranbleiben, für sie setze ich mich ein und haue auch mal auf den Tisch, wenn es sein muss.“ Ebenfalls ein besonderer Moment war der, als Patrizia Di Tolla in Genf zur UN bei der Überprüfung der Bundesrepublik Deutschland zur Einhaltung der UN-Behindertenrechtskonvention eingeladen wurde. Bei ihrer Rede sprach sie sich wieder gegen Zwangseinweisungen aus und „ich habe dort mit dem Herzen gesprochen“.

 

Berlin ist für sie heute ein offene und auch eine soziale Stadt. „Es gibt in der Stadt an vielen Stellen eine große Bereitschaft und Offenheit, Anderssein zu akzeptieren. Die Menschen müssen nur wissen, was sie im Umgang mit Behinderten oder Kranken genau zu tun haben. Da gibt es viele Unsicherheiten und es ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig“, sagt Patrizia Di Tolla. „Ich wünsche mir, dass alle noch mehr auf den einzelnen Menschen schauen und Inklusion ermöglichen, indem alle realisieren, dass alle Menschen anders sind und nicht für alle die gleichen Regeln gelten können“, sagt sie. Dabei müsse sich die „normale Welt“ an die Menschen anpassen, die anders sind – nicht andersherum. Auch die Politik habe dabei ihre Aufgabe zu erfüllen. „Die Politik muss allen, die mit Betroffenen arbeiten, den Rücken freihalten, damit es offene Türen in der Psychiatrie geben kann“, sagt sie.
 

Mehr Informationen: 

www.unionhilfswerk.de/angebote/psychiatrische-betreuung.html

 

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